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Fama FLUXUS   Mythos BEUYS - Die Konzeption

Die erste Begegnung zwischen Joseph Beuys und George Maciunas begann mit einem Schlagabtausch: ‚Purge the world of Europanism“’ provozierte Fluxus-Maciunas und Beuys konterte: ‘Purge the World of “Americanism“’. Doch dann trafen sich beide in dem gemeinsamen Anliegen nach Unmittelbarkeit: dem Lehren und Lernen als Ausführungskünste.

Maciunas hat den Namen Fluxus für eine geistige Haltung geprägt, die der Trennung künstlerischer Gattungen widersprach und sich für ein Crossover aller Ausdrucksmittel einsetzte (Against a Newer Laocoon) und damit eine Plattform für eine internationale Künstlerschaft geschaffen. Der deutsche Bildhauer Beuys hat von Fluxus wertvolle Impulse erhalten, doch mit seinen grenzüberschreitenden (utopisch anmutenden) Ambitionen der Erweiterung des Kunstbegriffs blieb er der archaische Solitär. Man traf sich im Museum in Motion, in der Überwindung des ästhetischen Selbstzwecks, wo wie nie zuvor die Grenzen zwischen Künstler/Kurator/Kritiker/etc. und Publikum fallen sollten.

Beuys und Fluxus in ihrem Für und Gegeneinander vermitteln Lebenseinstellungen, die junge Künstler heute ansprechen. Sie gaben Zündstoff für Seminararbeiten und künstlerische Produktionen von Studierenden und jungen Künstlern, betreut von zwei Professoren der Kunsthochschule Berlin-Weißensee, ausgewiesene Kenner der Materie (Matthias Bleyl mit Studien zum Block Beuys Darmstadt und S.D. Sauerbier, Beobachter und Mitstreiter von Fluxus in Deutschland). Am Kunsthistorischen Institut der Universität Stuttgart sind wissenschaftliche Arbeiten zu Fluxus bei Klaus G. Beuckers entstanden.

Hervorzuheben ist, dass die Arbeiten medial konzipiert sind und auf einer DVD veröffentlicht werden. Zuvor wird eine Ausstellung stattfinden, die in der Galerie der Stadt Sindelfingen eröffnet und einen engen Bezug zur DVD aufweisen wird. Künstlerische Arbeiten werden von Studierenden der Fächer Bildende Kunst, Produkt- und Kommunikationsdesign zu sehen sein, die in verschiedenen Medien ihren Ausdruck finden.

Das Projekt hat verschiedene Schwerpunkte. Als Ausgangspunkt der Fluxus-Reflexionen dient das Diagramm „Learning Machines“, das Maciunas 1973 anfertigte, um Zeitrahmen und Komplexität der Bewegung zu veranschaulichen. Die Auseinandersetzung mit Beuys konzentriert sich auf den von Beuys selbst eingerichteten Museumstrakt im Hessischen Landesmuseum Darmstadt, den ‚Block Beuys’.

Die Arbeiten von Studierenden werden sowohl aus künstlerischen Positionen (Kunsthochschule Berlin-Weißensee), sowie aus theoretischen Beiträgen (Universität Stuttgart) bestehen. Dabei wird sichtbar, dass beide Themenbereiche, Fluxus’ und ‚Beuys’ Verbindungspunkte und Überschneidungen aufweisen.

Genau hier liegt die Notwendigkeit und der Reiz der DVD begründet. Liest man singuläre Texte, spürt man oft nur noch wenig von der Lebendigkeit der Aussagen, anhand derer doch so zentrale Fragen von Kunst und Leben erörtert wurden, die im aktuellen Kontext wieder neu verhandelt werden müssen. Um sich den weitverzweigten, heutzutage aus kunst- und sozialwissenschaftlicher Sicht stark beeinflussten Positionen von Fluxus und Beuys zu nähern, liegt es nahe, sich eines anderen Mediums als dem des Buches/Kataloges und einer anderen als der gängigen kunsthistorischen Methodik zu bedienen. Wer auf Erklärung und alleinig kunstgeschichtliche Einordnungsversuche der Themen hofft, wird enttäuscht werden.

Das Projekt 'Fama FLUXUS Mythos BEUYS' arbeitet mit anderem Ansatz: Ähnlich den damals vorwiegend spontan und collagenhaft entstandenen Fluxus-Aktionen bietet die DVD die Möglichkeit, sich den Reflexionen zu den zwei Themengebieten mehr assoziativ und netzartig als linear kausal zu nähern. Dabei lässt sich erfahren, was junge Künstlerinnen und Künstler aus heutiger Perspektive mit Fluxus und Beuys in theoretischer und praktischer Hinsicht verbindet. Genauso sollen aber auch heutige Positionen damaliger Fluxuskünstler und Beuysanhänger weitere Facetten der Auseinandersetzung aufdecken.

Dem Rezipienten der DVD kommt somit ein hoher Grad an Vielseitigkeit und spielerischer Freiheit zu, sich dem komplexen und spannenden Werk von Beuys und Fluxus zu nähern. Ziel ist es, ihm möglichst viele verschiedene Blickwinkel zu öffnen, die sich aus der zeitlichen Distanz ergeben und die vielleicht auch der Mythenbildung Beuys entgegenwirken. Dabei liegt der Reiz gerade darin, dass die Themen nicht nur in Texten und dazugehörigen Werkabbildungen erarbeitet werden, sondern auch Künstlerarbeiten in Form von Videos sowie Videomitschnitte von Interviews und Diskussionsrunden eine gleichberechtigte Rolle spielen.

Die Ausstellung soll über die DVD hinaus den Reflexionen der Studentinnen und Studenten vermitteln, die in ihrer künstlerischen Arbeit Gedanken von Fluxus-Künstlern und Beuys oder vielleicht auch nur winzige Details damals entstandener Werke reflektieren und in persönlichem Umgang Ausdruck verleihen. Neben den Positionen der heutigen jungen Künstler werden Ausschnitte aus dem Medienprojekt ‚transImagine’ von Konrad Burgbacher und Ingrid Krupka, unter Mitarbeit von Jan Poseninsky gezeigt. Die Animation von fünf Zeichnungen zum ‚erweiterten Kunstbegriff’, die er während des Erläuterns seiner Theorien als Schemata anfertigte, verdeutlichen seine starke Vitalrhetorik (im Orginalton zu hören), mit der er seine ‚Plastische Theorie’ bekräftigte. Die Orginalzeichnungen, vier davon im Besitz des Kröller-Müller Museums, werden in Sindelfingen zu sehen sein.

In der Galerie der Stadt wird gleichzeitig ein Konvolut früher Zeichnungen von Beuys und des Stuttgarter Akademieprofessors Rudolf Schoofs gezeigt, der Beuys sehr zugetan war.

Vor Beginn der Ausstellung werden in einem einwöchigen Workshop mit den Studierenden Vorträge, Diskussionen, Events und Arbeiten, die die Struktur der Ausstellung vertiefen, stattfinden. Die Öffentlichkeit ist eingeladen, sich zu beteiligen.
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< Diagram of historical development of fluxus ... ,
by G. Maciunas, 1973
 
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